Kälteeinbruch

Mittwoch, 21. Januar 2009

Gestern hat es auch hier in South Carolina geschneit. Es reichte zwar nur gerade so, um die Autos mit einer dünnen Schneedecke zu umhüllen, aber für die Amerikaner war das schon ein Highlight. Es schneit fast nie in dieser Gegend und wenn dann doch ein paar Flocken vom Himmel fallen, freuen sich alle riesig. Inzwischen hat es hier auch stark abgekühlt, oft ist es kälter als in Würzburg, wo kürzlich noch der Main zugefroren war. Scheinbar haben die Minustemperaturen auch die Digitalanzeige von McDonalds frieren lassen. Sie zeigte die letzten Tage stets 266° Fahrenheit (130° C) an.

Schnee in South Carolina

Schnee in South Carolina

Mele Kalikimaka

Montag, 12. Januar 2009

… is the thing to say on a bright Hawaiian Christmas Day
That’s the island greeting that we send to you
From the land where palm trees sway
Here we know that Christmas will be green and bright
The sun to shine by day and all the stars at night
Mele Kalikimaka is Hawai’i’s way to say Merry Christmas to you!

Maike am Waiakalua Beach auf Kaua'i

Maike am Waiakalua Beach auf Kaua'i

And our way, too.
Für alle, die mitgeraten haben: die Lösung war Hawai’i, besser gesagt Kaua’i. Unser Trip startete am 22. Dezember am SFO Airport und alles blieb ein Geheimnis bis zu dem Moment, als der Mitarbeiter bei der Gepäckaufnahme fragte: “One bag to Hawai’i?”. Wir flogen mit einer Tasche hin – und mit zwei zurück (dazu aber später mehr).

Gibt es eine bessere Art, Weihnachten zu verbringen? Nein! Ich hätte mir nie erträumen können, dass ich selbst einmal Mele Kalikimaka an Weihnachten in Hawai’i sagen darf. So schnell kann’s gehen. Und wir sind zwei Tage lang in Badesachen und Nikolausmütze rumgerannt.
Den ausführlichen Bericht zur Reise kannst Du hier lesen, wenn Du zusätzlich/nur Bilder anschauen willst, darfst Du das gerne auf meiner neuen Seite Trip nach Kaua’i tun.

Ein paar generelle Infos zu Kaua’i:
Die Insel Kaua’i ist die älteste Insel der Inselgruppe Hawai’i. Sie hat eine Fläche von 1.433 km² und beherbergt nur ca. 56.000 Einwohner. Zudem besitzt Kaua’i den regenreichsten Punkt der Erde. Auf dem Gipfel des Wai?ale?ale regnet es jährlich durchschnittlich 11.684 mm. Touristen gibt es hier, anders als auf den Hauptinseln Maui und Hawai’i, weniger und auch zur Hauptsaison um Weihnachten herum kam es uns nicht überfüllt vor (eher im Gegenteil). Viele Filme, unter anderem auch Jurassic Park, wurden hier gedreht. Auf Kaua’i gibt es mehr Sandstrände, als auf allen anderen Inseln Hawai’i’s. Viele von ihnen sind versteckt und deshalb gibt es dort oft keine Menschenseele zu sehen, andere sind immer noch unentdeckt. Aufgrund des Klimas ist die Vegetation auf der Insel extrem ausgeprägt. Kaua’i erstrahlt in einem saftigen Grün bei ganzjährigen Temperaturen zwischen 25°C und 30°C.

Kaua'i Satellitenaufnahme der NASA

Kaua'i Satellitenaufnahme der NASA

Montag, 22. Dezember 2008:
Freundlicherweise fuhr uns Philipps Vermieterin zum Flughafen in San Francisco. Wir hatten eine schwere Tasche dabei mit Zelt und kompletter Wanderausrüstung, welche wir zuvor noch im Outdoorgeschäft gekauft hatten. Schlafsäcke dienten als Handgepäck, ebenso wie zwei schwere Rucksäcke. Kaum eingecheckt, der erste Schock: der Flug nach Lihu’e wurde um eine Stunde verschoben, da der 1. Offizier noch in Portland festsaß. Da war alles eingeschneit. Mit Sorgen um den gebuchten Mietwagen, welcher unser einziger Übernachtungsplatz für diese Nacht war, düsten wir in nur 4 1/2 Stunden ins Mele Kalikimaka Paradise nach Kaua’i (der Pilot konnte gar nicht mehr aufhören paradiesische Kombinationen zu reimen).
Irgendwann um ca. 22:00 Uhr kamen wir an einem Open Air-Port an. Da in Hawai’i immer schönes Wetter ist, findet die Gepäckabgabe und -annahme zwar Überdacht, aber im Freien statt. Begrüßt wurden wir – trotz Verspätung – mit echten lilanen Leis, die bis zum Ende unserer Reise nicht an Farbe verloren.
Beim Herunterheben der Tasche vom Band holte ich mir noch einen ordentlichen Hexenschuss (und merkte, dass ich alt werde), der mich leider die gesamte Woche begleitete (Ibuprofen auch).
Wir bekamen von National einen Allrad SUV, den wir aufgrund der vielen ungeteerten Straßen auch allemal brauchten. Im dunkeln fuhren wir zum Lydgate Beach Park direkt an den Strand, wo wir uns, nach einem Snack von Safeway, im Auto schlafen legten – bis uns um 04:00 Uhr morgens der Ranger weckte und erzählte, dass wir hier nicht schlafen dürften. Ohne Strafe zahlen zu müssen, durften wir sogar ausnahmsweise weiterschlafen, da wir keine andere Wahl hatten als im Auto zu campen.

Dienstag, 23. Dezember 2008:

Am nächsten Morgen wurden wir vom Krähen der Hähne geweckt. Es ist unglaublich, aber man sollte diese ganze Insel “Chicken Island” nennen. So wie es auf dem Mainland Eichhörnchen oder in Deutschland Vögel gibt, gibt es hier Hähne und Hühner. Überall. Und alle frei herumlaufend.

Einer unter vielen: Hahn auf Kaua'i

Einer unter vielen: Hahn auf Kaua'i

Wir fuhren erst einmal zu Walmart und deckten uns ein mit Lebensmitteln und hawaiianischen Klamotten. Die haben echt schöne Sachen da, und endlich war auch mal “Season” (in den Geschäften auf dem Mainland bekam ich bei der Frage nach Badesachen immer die Antwort: “It’s not the season”).
Frühstück gab’s auf die Schnelle bei Subway (“Mahalo” statt “Thank you” auf den Mülleimern) und dann holten wir uns alle Permits für das Camping. Wir mussten schon im Voraus angeben, wann wir wo schlafen würden und pro Nacht 5,00 USD zahlen. Das ist wohl die billigste Möglichkeit, in Kaua’i zu übernachten.
Unsere Tour ging zunächst Richtung Norden. Leider war das Ninini Lighthouse, von welchem man toll die landenden Flugzeuge beobachten kann, gesperrt. Also fuhren wir zu den Wailua Falls und zu den Opaeka’a Falls Lookouts und schauten uns die enormen Wassermengen an. Echt schön! Von einem anderen Aussichtspunkt direkt gegenüber der Wailua Falls hatten wir einen Wahnsinnsblick auf den Wailua River und die grünen saftigen Berge.

Wailua Falls in Kaua'i

Wailua Falls auf Kaua'i

Wailua River in Kaua'i

Wailua River auf Kaua'i

Anschließend fuhren wir wieder zum Lydgate Beach Park, da uns unser Reiseführer empfohlen hatte, dort Fische füttern zu gehen. Mit Fischfutter gewappnet wateten wir ins Meer. Ich muss sagen, der Reiseführer hatte nicht gelogen! Es kamen scharenweise die Fische um uns herum und zwickten ununterbrochen in die Beine, sprangen teilweise sogar etwas aus dem Wasser, um an das Futter zu gelangen. Sie waren hier also schon sehr verwöhnt worden. Leider gab es hier nur zwei bis drei verschiedene Sorten Fische, aber die wunderschönen farbenprächtigen Fische a la “Findet Nemo” sollten wir dann später zu Gesicht bekommen.

Fischefüttern im Lydgate Beach Park

Fischefüttern im Lydgate Beach Park

Für diesen Tag stand noch der “Jungle Hike” an, eine Wanderung durch den Dschungel Kaua’i’s bis zu einem kleinen Wasserfall. Die Wanderung war sehr dschungelig und nur leicht matschig, wir sahen Lianen und andere hawaiianische Urwaldpflanzen. Allerdings war die lange Fahrt zum Wanderpfad ein reines Abenteuer! Wie gut, dass wir unseren Allrad hatten. Schlaglöcher in der Größe von kleinen Seen und tiefe Pfützen machten es nicht einfach, über diese ungeteerte, mit Schlamm und großen Steinen bestückte “Straße” zu befahren. Nicht alle schafften es auch durch die zwei Flüsse, welche wir auf dem Weg zu durchqueren hatten. Auf dem Rückweg stießen wir auf ein Auto, welches abgeschleppt werden musste.
Wir kamen erst sehr spät zurück und bauten im Dunkeln unser Zelt in Anahola auf, duschten im Freien mit kaltem Wasser und lauschten dem Meeresrauschen, während wir einschliefen.

"Schlagloch" auf der Straße

"Schlagloch" auf der Straße

Mittwoch, 24. Dezember 2008:
Am nächsten Morgen, nach einer verregneten Nacht (so wie alle Nächte außer der letzten drei), öffneten wir das Vorderzelt und erfreuten uns erst einmal dem Meerblick. Nur zwei Schritte, dann begann der Sandstrand. Die Campingplätze auf Kaua’i sind alle so gut gelegen, dass man fast immer die Möglichkeit hat, direkt am Strand zu schlafen.
Wir fuhren am King Kong Profile vorbei (auch wenn dieser Berg eher aussieht wie Donkey Kong) und gönnten uns ein leckeres Frühstück beim Moloa’a Sunrise Fruit Stand. Hier gab es frisch gepressten Karottensaft, Truthahnsandwiches mit Salat und einen Früchteteller mit Papaya und Babybananen.

Frühstück auf Kaua'i

Frühstück auf Kaua'i

Eine Wanderung zu Larsen’s Beach durch Bäume und Büsche brachte uns zu Larsen’s Beach, wo wir mehrere süße Wildkatzen entdeckten. Eigentlich waren es normale Katzen, aber sie lebten offensichtlich frei.

Wanderung zu Larsen's Beach

Wanderung zu Larsen's Beach

Den meiner Meinung nach schönsten Strand fanden wir nach einem schwierigen und sehr rutschigen Abstieg vor. Allgemein waren alle Abtiege rutschig und gefährlich, da man wirklich aufpassen musste, nicht auf dem Allerwertesten zu landen und/oder sich womöglich die Haxen zu brechen. Fest hielten wir uns an Wurzeln und Zäunen, manchmal musste auch das Gleichgewicht reichen. Nach einem längeren Spaziergang am Strand entlang kamen wir zu dessen Ende. Zeit, die Weihnachtsmützen auszupacken. In Hängematte, Quellbach, auf Lavasteinen und natürlich im Meerwasser schossen wir Fotos, die uns ein Leben lang daran erinnern werden, dass wir an Weihnachten in Hawai’i waren. Es war keine Menschenseele zu sehen und erst, als wir schon fast im Aufbruch waren, kam ein Paar von der Villa auf dem Berg hinunter an den Strand. Fast alle Strände hatten nur ca. zwei bis zehn Besucher, was total schön war.

Fotoshooting am Waiakalua Beach

Fotoshooting am Waiakalua Beach

Nach einem Snack zogen wir unsere Riffschuhe an (tolle Dinger!) und kletterten in die andere Richtung einige Zeit lang über Lavasteine, bis wir am Pila’a Beach ankamen. Hier gab es endlich auch einmal Palmen und Philipp erklomm gleich mal eine. Da wir nicht den selben gefährlichen Weg zurück wollten, folgten wir einem anderen Weg zurück und kamen, nach Durchqueren von Private Property (das Schild konnten wir aber leider erst danach lesen) sogar in der Nähe des Autos heraus.
Wir fuhren noch zum Kilauea Lighthouse Viewpoint (der Leuchtturm selbst war geschlossen) und sahen uns die stark besuchte Kalihiwai Bay an. Zum Baden reichte allerdings unsere Zeit nicht mehr. Deswegen fuhren wir nach Hanalei, um dort im Restaurant Kalypso ein leckeres hawaiianisches Weihnachtsessen zu bekommen. Als Vorspeise gab es dank Happy Hour Coconut Shrimps (die besten Shrimps unseres Lebens) und als Hauptspeise bestellte ich mir Teriyaki Hähnchen mit Reis und interessantem Gemüse. Philipp nahm den Hawaiian BBQ Burger. Zum Nachtisch teilten wir uns ein Stück vom Chocolate Suicide Cake , einfach lecker!

Mele Kalikimaka Dinner im Kalypso

Mele Kalikimaka Dinner im Kalypso

Gezeltet haben wir diesmal im Anini Beach Park, einem wundervollen langen Strand mit gar keinen Wellen und einem schönen Campingplatz mit schattigen Kamani Bäumen. Ein Platz direkt am Meer war leider nicht in schöner Einsamkeit frei, weshalb wir es uns einfach mitten auf der Wiese bequem machten.

Donnerstag, 25. Dezember 2008:
Klingt zwar doof für ein Weihnachtsfrühstück (Erinnerung: in Amerika ist der 25. der wichtige Tag), aber es hatte nun einmal alles zu außer der Tankstelle. Also belegten wir uns teure Sandwiches und wanderten zum Secret Beach. So “secret” war dieser allerdings nicht, denn auf die paar Kilometer verteilt gab es mit Sicherheit ungefähr 20 Besucher (was viel ist für Kaua’i). Dieser Strand war auch rein gar nicht zum Baden geeignet. Gefährliche Strömungen und riesige Wellen konnten nur von erfahrenen Surfern bewältigt werden. Diesen sahen wir beim Frühstücken unserer Sandwiches dann auch zu, bis ein verzweifelter Hilferuf von einer völlig erschöpften Frau, die einige hundert Meter gerannt war, in unsere Ohren dringte. Am Ende des Strands, bei den Klippen, war ein Freund ins Wasser gefallen und konnte nicht mehr heraus, da ihn die Wellen umbringen würden. Schnell eilten die Surfer, die die Kraft und Erfahrung haben, zu Hilfe und zogen den Mann schließlich aus dem Wasser. So etwas ist keine Seltenheit, pro Jahr ertrinken ca. 15 Menschen auf Kaua’i, weshalb es überall Warnschilder gibt.

Interessantes Warnschild vor einem Strand

Interessantes Warnschild vor einem Strand

Um doch noch ins Wasser zu können, liefen wir durch ein Stück Dschungel zum Kahalahala Beach. Wirklich schwimmen konnte man da auch nicht, aber das machte nichts, denn das Highlight des Tages wartete noch auf uns: Schnorcheln am Tunnels Beach. Zuvor hatten wir uns Schnorchel, Taucherbrillen und Flossen gekauft (in etwa der gleiche Preis wie beim Ausleihen) und zogen, mit Unterwasserkamera ausgerüstet, zum Strand. Das Wasser war unglaublich klar und man konnte leicht zwischen den Riffs durchschwimmen. Schon gleich ganz vorne entdeckten wir wunderschöne Fische in allen Farben. Sie sahen aus wie riesige Zierfische in einem Aquarium, nur, dass sie ganz zutraulich um uns herum schwommen, teilweise auch in ganzen Schwärmen. Leider wurden nicht alle Fotos so schön, aber die Erinnerung an das Erlebnis bleibt auf jeden Fall! Ich hätte nie gedacht, dass es so einfach ist, ohne große Taucherausrüstung und ohne Mitten im Ozean zu sein, solche exotischen Fische sehen zu können.

Fisch im Meer vor Tunnels Beach

Fisch im Meer vor Tunnels Beach

Nach unserem Tauchgang sahen wir uns noch die Wet Caves an, zwei riesige tiefe Höhlen, welche im Innern jeweils einen kleinen See hatten.
Schließlich machten wir noch einen kleinen Strandspaziergang am Ke’e Beach ganz im Norden Kaua’i’s, bis es anfing zu regnen. Das war dann auch das Stichwort zum Zeltaufbauen, bevor es zu nass wurde. Wir fanden einen Platz direkt im Sand am Haena Beach und befestigten das Zelt so gut wir konnten, denn es stürmte wahnsinnig.
Wir fuhren hinauf nach Hanalei und aßen bei Panda’s Kitchen zu Abend, bevor wir müde in unsere Schlafsäcke fielen.

Freitag, 26. Dezember 2008:
Morgens fuhren wir nach Kilauea, um uns dort in der Kilauea Bakery & Pau Hana Pizza frisches Gebäck zu holen. Wir aßen ein herzhaftes Blätterteiggebäck und einen saftigen Kirschmuffin.
Für heute war noch mehr Abenteuer geplant. In Hanalei fanden wir nach langem Suchen endlich einen Kayakverleih, bei dem die Preise auch angemessen waren. Auf unseren SUV geschnallt, fuhren wir zum Anfang bzw. Ende des Kalihiwai Rivers und paddelten ihn schließlich hinauf. Die Landschaft um uns und den Fluss herum war traumhaft, wie im Film. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass man vom Fluss aus einen kleinen Weg gehen kann, der dann zu einem Wasserfall führt. Wir paddelten bis zu der Stelle, an der es durch die reißende Strömung nicht mehr weiterging, zogen das Kayak ordentlich an Land und liefen durch den Dschungel. Wir durchquerten Felder mit scharfkantigen Pflanzen (meine Beine danken mir heute noch dafür…) und liefen unter Bananenbäumen hindurch. Unsere Schuhe blieben teilweise im Schlamm stecken und wir liefen mehrere Sackgassen. Wir fanden leider nur eine Stelle, um zum Wasserfall zu gelangen. Man konnte ihn inzwischen aus der Entfernung sogar sehen, ebenso wie das “No Trespassing”-Schild, da sich das Land rund um den Wasserfall und Fluss im Privatbesitz befindet. Um den Wasserfall zu erreichen, hätten wir durch den nicht ganz schmalen aber mitreißenden Fluss waten müssen. Da ich schon am Rand ausrutschte und mich die Strömung beinahe mitnahm, beließen wir es bei dem Anblick aus der Ferne. Wir hatten Kameraequipment und all unsere Wertsachen dabei und wollten nicht unbedingt, dass diese baden gehen. Als wir wieder an unserer Anlegestelle ankamen, hätten wir keine Sekunde später kommen dürfen. Durch Regen vom Berg war der Fluss ungefähr doppelt so hoch angestiegen und hatte unsere einst trockene und uns sicher erscheinende Anlegestelle in eine Badewanne verwandelt und es fehlte nicht viel Wasser, damit der Fluss unser Kayak mitnahm. Wie gut, dass wir nicht zum Wasserfall sind! Die Rückfahrt war ein heikles Abenteuer, da wir nun durch Bäume und unter Äste fahren mussten, welche zuvor entweder noch nicht da waren oder wesentlich höher lagen. Wir schafften es dennoch ohne zu Kentern zurück an den Strand und Philipp wagte noch einige Tarzansprünge von einem Seil in den Fluss.

Kayaking auf Kaua'i

Kayaking auf Kaua'i

Das Kayak wieder zurückgebracht, fuhren wir zum Hanalei Lookout und betrachteten schöne Erntefelder.
Außerdem durfte der Besuch eines weiteren Strandes nicht fehlen. Aufgrund der Zeitknappheit entschieden wir uns für den Pali Ke Kua Beach, auch Hideaways genannt. Wie immer durften wir uns erst einmal den Pfad durch Matsch hinunterangeln und schafften es abermals, uns nichts zu brechen. Es war noch ein weiteres Päarchen vor Ort, ein Surfer und ein Hahn (wie überall), sonst niemand.
Nach einem kurzen Aufenthalt fuhren wir wieder zur Kilauea Bakery & Pau Hana Pizza und gönnten uns diesmal eine Pizza (halb Provencal, und halb – wer hätte es gedacht – Hawai’i).
Wir zelteten im Hanalei Black Pot Park unter einem schönen Baum, direkt zwischen Strand und Surfschule. Dreimal darfst Du raten, was wir am nächsten Morgen machten.

Samstag, 27. Dezember 2008:
Wenn man schon in Hawai’i ist, wäre es ja eine Schande, nicht Surfen zu gehen. Da Philipp und ich noch nie auf einem Surfbrett standen, war klar, dass wir erst einmal einen Kurs nehmen. Mit Hawaiian Surfing Adventures bekamen wir ein zweistündiges Surf-Lern-Paket, zusammen mit zwei weiteren Lernwilligen. Unser Trainer war sehr nett und erzählte uns viel über die Insel, während wir auf die nächsten Wellen warteten. Er nahm sich auch genügend Zeit für jeden Einzelnen, sodass auch ich schon beim zweiten Versuch auf dem Brett stehen blieb. Danach bin ich nur noch bei einer zu großen Welle heruntergefallen und als Philipp in mich reingefahren ist. Das haben wir natürlich alles auf Video. Das Surfen hat wirklich Spaß gemacht und war auch gar nicht so schwer, wie ich dachte. Die Anfängerbretter waren groß genug, um nicht herunterzufallen und die Wellen waren genau richtig.

Surfen Lernen in Hawai'i

Surfen Lernen in Hawai'i

Danach sind wir erst einmal hungrig zu Pat’s Tacqueria und haben einen Kalua Pork Taco und einen Fish Burrito gegessen.
Heute war auch noch Wäsche waschen angesagt. Wir hatten zwar nur noch zwei Tage vor uns, aber alles war schon sehr schmutzig durch den Red Dirt, die rote Erde auf Kaua’i (welche übrigens nicht mehr wirklich raus geht…). Zur Abwechslung aßen wir ein Eis von der Cold Stone Creamery (das beste Eis auf der Welt!).
Bevor es dunkel wurde, wollten wir noch im Südwesten zu Glass Beach, einem Sandstrand, der aufgrund der naheliegenden Müllentsorgungsstätte  mit vielen ausgewaschenen, winzig kleinen Glasscherben vermischt ist. Leider haben die Scherben nur die üblichen Farben weiß, braun und grün, sodass es nicht ganz so schön im Abendlicht funkelte. Wir liefen noch ein Stück an der Küste neben Lavaformationen entlang, sahen einen Lava Arch und schafften es leider nicht mehr ganz bis zu einem schwarzen Sandstrand, da wir noch zu Sonnenuntergang einen anderen Strand erreichen wollten.

Glass Beach auf Kaua'i

Glass Beach auf Kaua'i

Natürlich wollte ich auch einmal an einen Strand, bei dem direkt im Sand die Palmen waren. Bisher hatten die Strände meist entweder nur Bäume und Büsche oder Palmen auf der Wiese dahinter. Wir beeilten uns, um noch bei Tageslicht zum Strand zu kommen. Er war sehr versteckt und die Einwohner hatten dort ihre Grundstücke direkt an den Strand gebaut. Dies hinderte uns allerdings nicht daran, dort hinzugehen, da alle Strände in Hawai’i der Allgemeinheit gehören. Gerade noch so schafften wir es bei untergehender Sonne die Palmen zu erreichen. Sie erstreckten sich quer über den schmalen Strand und man musste teilweise außen herum laufen oder unten durch kriechen. Makaweli Beach, so heißt der Strand, ist aber wirklich schön und bestimmt auch tagsüber einen Besuch wert.

Philipp am Makaweli Beach, Kaua'i

Philipp am Makaweli Beach, Kaua'i

Im Dunkeln erreichten wir dann den Campingplatz (Lucy Wright Park). Er war etwas unheimlich, weil viele Obdachlose dort herumlungerten und wir die einzigen Camper waren. Zudem waren die sanitären Anlagen nicht gerade prickelnd.
Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, gingen wir noch einmal richtig im Wrangler’s Steakhouse essen, da es für den nächsten Tag nur Obst, Gemüse und Brot mit weichen Dosenwienern geben würde.

Sonntag, 28. Dezember 2008:
Für heute war eine große Tageswanderung geplant. Die kleinen Wanderungen zu den verschiedenen Stränden, welche kaum länger als jeweils 30 Minuten gedauert hatten, waren zwar auch abenteuerlich gewesen- doch wir wollten die Insel auch einmal etwas genauer erkunden. Bevor wir uns auf den langen Weg machten, fuhren wir mit dem Auto in den Waimea Canyon und stoppten bei mehreren Lookouts, z.B. dem Weimea Canyon Lookout und dem Pu’u Ka Pele Lookout. Allein diese Ausblicke animierten uns schon sehr, und zeitlich war es auch schon sehr knapp. Wir hatten geplant, noch vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein, um unser Zelt aufbauen zu können. Um 10:30 Uhr starteten wir schließlich beim steilen Nu’alolo Trail. Zunächst ging es 0,25 Meilen durch den Wald bergauf, was für meinen Rücken eher eine Erleichterung war. Den Rest des Weges ging es die meiste Zeit bergab und es wurde streckenweise richtig matschig. Wir hatten aber unsere guten neuen Wanderschuhe an und schreckten nicht zurück. Auf dem Weg trafen wir einige Jäger mit ihren GPS-bestückten Jagdhunden, welche uns ignorierten (die gerissenen Hähne waren wohl interessanter). Zwischenzeitlich glich der Weg auch eher einer Bobrutsche aus Lehm (ohne Witz), da das vom Berg kommende Regenwasser sich mit der Zeit mehrere Abflussgänge geformt hatte. Nach mehreren atemberaubenden Ausblicken über die Nu’alolo Valley und einem ungewohnt heißen Wegabschnitt in der Sonne erreichten wir den Lolo Vista Point. Der Blick auf dieses Tal war einfach umwerfend. Überall die saftigen grünen Berge und der Blick aus der Vogelperspektive entlang der Küste war ein Traum. Wir sahen sogar mehrere Regenbogensäulen, die über dem Meer überall dort entstanden, wo es gerade regnete. Um das Ganze auf uns wirken zu lassen (auf keinem Bild ist so etwas festzuhalten), setzten wir uns an den Rand der Aussichtsplattform und aßen unser Mittagessen, bestehend aus Äpfeln und Snacks. Währenddessen flogen im Minutentakt Hubschrauber neben und unter uns (ja, so weit oben waren wir) durch das Tal, für diejenigen, die nicht selbst die Wanderung machen konnten/wollten.

Picknick am Lolo Vista Point

Picknick am Lolo Vista Point

Leider konnten wir nicht arg lange bleiben, weil wir noch den Großteil des Weges vor uns hatten. Wir hatten erst 4,2 Meilen hinter uns und noch einige mehr vor uns.
Also machten wir uns auf zum Anschlusspfad entlang der Klippen, dem Nu’alolo Cliffs Trail. Dieser verlief die meiste Zeit tatsächlich nur geradeaus und war deshalb nicht ganz so anstrengend, dafür aber gefährlicher. Es gab einige sehr enge Stellen entlang der Klippen und ich stellte mir schon so das ein oder andere Horrorszenario vor. Aber schließlich meisterten wir auch diese und landeten irgendwann in einem Dschungel von langen Gräsern, die ungefähr zwei Meter hoch waren. Wir sahen gar nichts, und es gab ca. 4 verschiedene Wege, die entweder Sackgassen waren oder wieder am Anfangspfad endeten. Wir hatten uns darin total verlaufen. Ich weiß nicht wie, aber nach einigen Runden kamen wir tatsächlich aus dem Gräserlabyrinth heraus und waren wieder auf dem richtigen Weg (später berichteten uns andere Wanderer, dass ihnen dasselbe passiert sei). Erstmals wurden wir dann auch von einem Italiener überholt, der keine Taschenlampe dabei und Angst hatte, dass er es nicht rechtzeitig zurück schaffte.
Nachdem wir einen weiteren Wald durchquert hatten, erreichten wir die Kreuzung zum Awa-’awapuhi Trail, unserem Rückweg zur Hauptstraße. Doch erst liefen wir 0,25 Meilen zum Awa-’awapuhi Lookout, um uns das Nu’alolo Tal von der anderen Seite anzusehen. Kaum zu glauben, aber wir waren tatsächlich einmal komplett außen herum gelaufen, obwohl das von der anderen Seite nahezu unmöglich schien. Von dieser Seite war der Ausblick weniger spektakulär, aber es löste in uns ein Gefühl des Stolzes aus, dass wir es so weit geschafft hatten.
Nun mussten wir uns aber auf den Rückweg machen. Es waren noch ungefähr drei Meilen bis zur Straße und dann noch einmal gute zwei Meilen die Straße entlang zurück zum Auto. Der Awa-’awaphui Trail war ein Weg, der ununterbrochen bergauf ging. Philipp und ich sind hier beide an unsere Grenzen gestoßen und haben die Welt um uns herum nicht mehr so intensiv wahrgenommen wie zuvor. Allerdings legten wir regelmäßig Pausen ein und stärkten uns mit Trailmixfood (zu deutsch: Studentenfutter). Unfassbar, wie lang so eine viertel Meile sein kann! Nicht zu vergessen, dass man Meilen nicht eins zu eins in Kilometer umrechnen darf. Nein, tatsächlich ist 1 Meile = 1,609344 Kilometer. Tatsächlich erreichten wir die Straße noch vor Einbruch der Dunkelheit. Es wurde zwar hier oben auf dem Berg recht frisch, aber wir hatten unsere Windjacken dabei und konnten gut weiter bergab laufen. Meine Füße taten inzwischen mehr weh als mein Rücken, was sich nachher auch in den Blasen bestätigte. Die Schuhe hatten wohl doch nicht die perfekte Größe gehabt. Nach einer weiteren Ewigkeit kamen wir schließlich erschöpft beim Auto an und bauten rasch unser Zelt an einem nahe gelegenen Campingplatz auf. Hier gab es sogar duschen im Innern! Auch wenn das Wasser eiskalt und mit Blei vergiftet war, freuten wir uns auf die Dusche am Abend und krochen in unsere Schlafsäcke. Bevor wir einschliefen, aßen wir allerdings noch unser Brot mit Dosenwurst.

Blick auf Nu'alolo Valley

Blick auf Nu'alolo Valley

Montag, 29. Dezember 2008:
Am Morgen wollten wir noch zu den anderen Canyon Lookouts fahren und schöne Panoramabilder machen. In den Bergen hing sich der Nebel jedoch so fest, dass wir rein gar nichts außer einem schönen Weiß sahen. Bilder konnten wir also keine machen. Als wir dann wieder unten an der Küste ankamen, war es heiß und sonnig. Wir Frühstückten am Spouting Horn, einem Loch in der Lavaformation am Meer. Bei kräftigen Wellen spuckte das Spouting Horn große Wasserfontänen aus. Als wir dem Spektakel zusahen, entdeckten wir riesige Meeresschildkröten im Wasser. Leider waren sie schon wieder weg, als wir nahe genug dran waren, um richtige Bilder machen zu können. Es war aber trotzdem ein tolles Erlebnis, weil ich schon immer solche Schildkröten sehen einmal wollte.
An diesem Tag wollten wir vor allem noch die Dinge vor unserem Rückflug machen, die uns am meisten Spaß bereitet hatten. Also ging es zum Po’ipu Beach, um dort erneut zu Schnorcheln und neue Fische zu entdecken. Der Strand war, anders als die meisten, sehr voll, besonders mit reichen Hotelgästen. Während Philipp schnorchelte, fing ich damit an, einen Schneemann aus Sand zu bauen, welcher dann auch an Popularität gewann. Philipp steckte zum Abschluss noch eine Möhre hinein und fertig war unser hawaiianischer Sandschneemann.

Hawaiianischer Sandschneemann

Hawaiianischer Sandschneemann

Wir unternahmen noch einen kleinen Ausflug zu den Kipu Falls, wo man mit einem Seil ins Wasser springen konnte. Der Weg dorthin erwies sich als so rutschig und matschig, dass wir es nicht ganz bis zum Ufer schafften. Es war ohnehin schon sehr viel los und eine Menschenschlange wartete darauf, springen zu dürfen. Also kehrten wir um, denn wir mussten noch einkaufen und packen. Alle Souvenire in der Tasche und eine voll gepackte Reisetasche mehr, waren wir 1,5 Stunden vor Abflug fertig. Der Flughafen war keine zehn Minuten entfernt. Wir steckten den Schlüssel hinein und – Batterie leer. Ich dachte mir, dass das wohl ein Scherz war. Wir hatten eine All-Inclusive Versicherung abgeschlossen, also machte ich mir deswegen keine Sorgen. Aber wieso passierte das jetzt, wo wir dringend zum Flughafen mussten? Wir warteten eine viertel Stunde in der Hoffnung, das Auto würde wieder funktionieren. Fehlanzeige. Philipp rief die Roadside Assistance an, welche frühestens in einer halben Stunde da sein konnte. Da wir noch zwei Taschen einzuchecken hatten, wollten wir dieses Risiko keineswegs eingehen. Wir mussten das Auto stehen lassen und irgendwie anders zum Flughafen kommen. Wir rannten also in den Walmart, um die Nummer der nächsten Taxifirma zu erfahren. Nach einigem Hin und Her und falschen Telefonnummern erreichten wir schließlich ein Taxi, welches auch nach fünf Minuten da war. Um 21 Uhr schließlich kamen wir nach einer flotten Fahrt endlich am Flughafen an. Philipp gab den Autoschlüssel bei National zurück (mehr konnten wir nicht tun) und ich stellte mich bei der Gepäckabgabe an. Nach einer Ewigkeit kamen wir dran und mussten unser Gepäck gesondert abgeben, weil wir schon so spät dran waren. Wir hetzten durch die Security und dann auch noch durch die Agriculture Control (Philipp übersah diese erst und rannte zunächst einfach durch). Um 21:35 Uhr erreichten wir das Flugzeug und konnten boarden. Um 21:40 Uhr flogen wir ab.

Fazit:
Ein super Urlaub, mit Abenteuer vom ersten Tag bis zum Schluss. Es war eine Mischung aus Dschungelhike und Strandurlaub, nie langweilig und die Tage waren immer zu kurz. Man kann Ewigkeiten auf Kaua’i verbringen und immer wieder Neues entdecken. Es war wirklich ein sehr schöner Urlaub, der sich definitiv gelohnt hat!

Philipp und Maike auf Kaua'i, HI

Philipp und Maike auf Kaua'i, HI

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