Lange hat es gedauert, aber hier ist nun mein Bericht zu meinem 1. Halloweenfest in den USA:
Schon ca. drei Wochen vor dem eigentlichen Termin (Freitag, 31. Oktober) ging es fast überall rund. Walmart gestaltete zu diesem Zeitpunkt zwei ganze Regalreihen um und befüllte sie mit allem möglichen Halloweenzubehör und Kostümen. Man kann es sich etwas wie Fasching in Deutschland vorstellen, denn Halloween bedeutet nicht unbedingt “gruselig”, sondern einfach ausgefallen verkleiden. Das kann auch lustige Kostüme bedeuten. Große Kürbisse für zukünftige Jack O’Lanterns und sonstige Herbstdekoration gab es sowohl in der Gemüseabteilung als auch bei den Backwaren und Bastelsachen. Auch andere Geschäfte wurden aufwendig dekoriert und Häuser sowie Gärten und Straßenlaternen teilweise unglaublich geschmückt.

Halloween-geschmücktes Anwesen in Charlotte
Kleiner Rückblick:
Ich hatte mein Kostüm ja schon im Oktober gekauft, wie ich vor einigen Wochen berichtet habe. Bisher hatte ich noch nicht verraten, als was ich mich verkleidete. Als Philipp zu Besuch war, nahmen wir an einem Haunted Trail namens “Wompus Woods” teil, was ein extra für Halloween aufgebauter Pfad ist, den man nachts durchlaufen kann während man sich von lebendigen Monstern erschrecken lässt. Hier gab es beispielsweise einen Kettensägenmann, der sich immer ganz unauffällig unter die Menge gemischt hat und dann auf einmal den Motor anmachte. Wir durften somit erleben, wie so manch einer so erschrocken ist, dass er 2-Meter-Sprünge gemacht hat und schließlich auf den Allerwertesten gefallen ist. Hier in den USA gibt es, besonders auf dem Land, sehr viele dieser Haunted Trails und Haunted Houses und es ist die Attraktion schlechthin vor Halloween. Am Wochenende vor Halloween fertigten wir unsere eigenen Jack O’Lanterns und bereiteten uns seelisch auf Halloween vor.
Am 31. Oktober war es dann soweit. Nach der Arbeit hetzten Christian und ich nach Hause, um in unsere Kostüme zu schlüpfen und das Essen vorzubereiten. Wir waren bei Maly, einer Arbeitskollegin, zu ihrer Halloweenparty eingeladen. Die anderen Studenten gingen ins Hyatt Hotel und feierten dort mit anderen ihres Alters. Christian bereitete Halloween-Pasta vor, was aus pechschwarzen Nudeln und Oliven-Tomatensoße bestand, und ich fertigte kleine mexikanische Schnecken-Appetizer und brachte Getränke. Um ca. 20 Uhr kamen wir bei Maly an und bestaunten das sehr schön dekorierte Haus. Überall hingen Spinnweben und kleine Plastikspinnen, die bei dem gedimmten Licht wirklich echt aussahen. Als besonderen Gag hatte Maly Trockeneis mitgebracht, welches wir in Halloweengläsern zum Dampfen brachten. Es waren Gäste mit und ohne Kindern da und die Party bestand hauptsächlich aus Essen und Unterhalten. Maly hatte viele Arbeitskollegen, vor allem Deutsche, eingeladen. Außer der Pasta gab es auch noch zwei verschiedene Chili Con Carne und einen Graveyard Pudding.

Graveyard Pudding
Zwischendurch klingelte es immer wieder an der Türe und mehr oder weniger verkleidete Kinder standen vor der Haustür und hielten ihre Säcke offen. Maly hatte schon eine Schüssel voll Süßigkeiten vorbereitet, um die Kinder zu bedienen. Jedoch war es ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Viele Kinder waren kaum verkleidet und alle, wirklich alle, standen einfach nur stumm an der Tür. Es gab kein “Trick or Treat” oder irgendeinen anderen tollen Spruch, mit dem uns die Kinder drohen wollten bzw. sollten. Das fand ich ziemlich schade, denn einfach nur den ohnehin schon randvollen Sack mit Süßigkeiten hinzuhalten, um ihn noch voller zu machen, ohne auch nur “Happy Halloween” über die Lippen zu bringen, finde ich wirklich schwach. Dennoch war es schön, dem ganzen Geschehen zuzusehen.
Nach einigen Stunden entschieden wir uns dann, noch einmal auszugehen, in den “Blind Horse Saloon” in Greenville. Das ist ein riesiger Nachtclub in einer großen Farmhalle, der auch eher für die Country-Liebhaber ist. Man findet hier vermehrt Leute in karierten Hemden, Jeans sowie Cowboy-Stiefeln und -Hüten. So richtig wie man es sich eben vorstellt. Gerne wird hier auch einmal eine Zigarre geraucht und auf dem Bullen geritten, was ein absolutes Highlight ist. Typisch ist auch, dass hier die sogenannten “Line Dances” durchgeführt werden, also gemeinsames Tanzen in mehreren Reihen. Das ist sehr schön anzuschauen, aber schwierig nachzumachen. Jedenfalls mussten wir satte 10 USD Eintritt zahlen und hatten dann das Vergnügen, alle anderen verkleideten Menschen zu begutachten. An Halloween verkleidet sich hier nämlich jeder, und das ist auch keinem zu peinlich. Je schlimmer, desto besser. Gruselig oder lustig, das spielt keine Rolle. Die Musik an dem Abend war, aufgrund des gemischten Publikums, leider auch etwas gemischt und es wurde viel schlechter amerikanischer Hip Hop gespielt. Es gab dann auch einen Kostüm-Contest, bei dem der erste Platz 1000 USD bekam. Dies war der “One-Night-Stand”, bestehend aus einer Person, die aus sich einen Nachttisch gebastelt und sich einen Lampenschirm auf den Kopf gesetzt hatte. Es gab auch makabere Kostüme wie den weißen, schwarz-angemalten Sklaven, begleitet vom KKK.
Nach der Preisverleihung fuhren wir auch schon nach Hause, da es inzwischen halb 4 Uhr morgens war. Ich fiel müde ins Bett, aber froh, mal bei einer privaten amerikanischen Halloweenparty dabei gewesen zu sein.
And, finally, here is my costume:

Maike als Cowgirl